Ist das wirklich nachhaltig?
Shownotes
In dieser Folge von „DRUCK MACHEN“ sprechen Jürgen Resch und DUH-Expertin Agnes über Greenwashing – also über falsche oder irreführende Umweltversprechen von Unternehmen. Denn immer mehr Produkte werben mit „nachhaltig“ oder „klimaneutral“, doch oft hält das nicht, was es verspricht.
Sie erklären, wie Greenwashing funktioniert, warum es ein Problem für Umwelt, Verbraucher*innen und ehrliche Unternehmen ist und wie man fragwürdige Werbeversprechen erkennt. Außerdem zeigen sie, wie die Deutsche Umwelthilfe gegen dreiste Umweltlügen vorgeht und was sich politisch ändern muss, damit Nachhaltigkeit mehr ist als nur Marketing.
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Als gemeinnütziger und politisch unabhängiger Verein machen wir uns seit über 50 Jahren für Natur-, Umwelt- und Verbraucherrechte stark. Wir mobilisieren die Öffentlichkeit und sprechen auch unangenehme Wahrheiten an. Denn Umwelt, Klima und Menschen brauchen eine starke Stimme. Dafür sind wir da!
Wir realisieren Veränderungen: Von der Einführung des Dosenpfands, über unsere historische Klimaklage bis zum Kampf gegen Greenwashing-Kampagnen! Wir wollen, dass Mensch und Natur in Einklang miteinander leben. Saubere Luft, gesunde Ökosysteme und nachhaltige Ressourcennutzung sind für uns keine Träume, sondern die Grundlage einer lebenswerten Zukunft.
Transkript anzeigen
00:00:00: Ein ehrlicher Klima- und Umweltschutz ist im Angesichts der Klimakrise dringend geboten, strengere Regeln und mehr Transparenz tragen dazu bei dass wir als Verbraucher überhaupt bewusst entscheiden können uns für die richtigen Produkte entscheiden können.
00:00:17: Und das eben diese Marketing Tricks mit Nachhaltigkeit, mit Klimaneutralität all solche entlarvt werden.
00:00:30: Wir setzen Umwelt, Klima und Verbraucherschutz
00:00:32: durch.
00:00:33: Für uns alle!
00:00:36: Willkommen zum Podcast der Deutschen Umwelthilfe.
00:00:38: Mein Name ist Jürgen Resch.
00:00:39: Ich moderiere diesen Podcast abwechselnd mit meiner Kollegin Barbara Mezumal im Kollegen Sascha Müller-Krenner Heute zu Gast.
00:00:49: Agnes Sauter Bereichsleiterin Ökologische Marktüberwachung und Verbracherschutz.
00:00:54: Ja Jürg, herzlichen Dank dass ich hier sein darf.
00:00:56: wir haben ein ganz spannendes Thema heute.
00:00:59: Es geht nämlich um Greenwashing, es geht um Ehrlichkeit in der Werbung.
00:01:04: Also klimafreundlich fliegen, tanken für das Klima ein grüner Einweggrill – fast alles was wir heute beworben bekommen ist nachhaltig!
00:01:17: Das Klimaneutral ist umweltunschädlich.
00:01:21: Achtzig Prozent der Werbungen in der EU enthält mindestens eine Umweltaussage, so eine Studie aus dem Jahr ist.
00:01:32: Das Schöne ist Menschen wollen nachhaltig konsumieren – das haben die Unternehmen auch erkannt aber sie tun es nicht!
00:01:40: Ihre Produkte sind in vielen Fällen nicht nachhaltiger, aber sie werden als nachhaltige Grün beworben und die Hälfte der von uns auch analysierten Umweldaussagen enthalten nur Wage, irreführende und unbelegte Informationen.
00:02:01: Thema der heutigen Folge Welche absurden Auswüchse gibt es?
00:02:06: Wie können Verbraucher und Verbraucherin geschützt werden?
00:02:10: Und wie geht die Deutsche Umwelthilfe gegen?
00:02:15: Im Bereich der ökologischen Marktverwachung setzen wir uns für die Durchsetzung umweltrelevanter Verbraucherschutzforschriften ein.
00:02:23: Die DOH ist klagebefugter Verbraucher-Schutzverband, das heißt wir wurden durch das Bundesamt für Justiz befugt, Verstöße gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, UWG und andere Verbrauchschutzgesetze durch geeignete Maßnahmen zu
00:02:38: unterbinden.".
00:02:39: Ja, die Menschen haben einfach ein höheres Umweltbewusstsein bei ihrem Konsum und das ist angesichts der Klimakrise ja auch gut so.
00:02:48: Da hast du vollkommen recht!
00:02:49: Auch Unternehmen haben diesen Trend erkannt und bewerben ihre Produkte, ihre Dienstleistungen oder gleich das ganze Unternehmen zunehmend mit Umweltvorteilen.
00:02:59: Statt auf echte Veränderungen im Unternehmen zu setzen wird Greenwashing betrieben.
00:03:04: Vielleicht kurz zur Einordnung.
00:03:06: Greenwashing setzt sich aus den Begriffen green und washing zusammen, grün signalisiert die Farbe Umwelt- und Naturschutz- und Washing natürlich das Rheinwaschens.
00:03:18: Gemeint ist die Praxis, sich ein falsches oder übertriebenes positives grünes Image zu verschaffen.
00:03:24: Da gibt es zahlreiche Formen von greenwashing wenn ich vielleicht ein paar beispielhaft aufzählen darf.
00:03:30: Da wird die Sonnencreme als ozeanfreundlich beworben, wobei wenn man dann auf die Zusatzbestandteile schaut hier.
00:03:38: Man sich fragt was ist denn daran um oceanfreundliche?
00:03:42: Oder die Walnusskerne, die in den Lebensmittelmärkten zu finden sind, die von Hier für Hier beworben werden?
00:03:49: aber wenn man genau schaut wurden sie in Kalifornien angebaut.
00:03:53: oder ein chinesischer Online-Versandhändler der lokale Produkte bewirbt.
00:03:58: Aber das einzige an diesem Produktlokal ist, dass es aus dem europäischen Markt eher aus einem Lager kommt.
00:04:07: Das halten wir für eine extreme Überstrapazierung des Begriffes lokalen.
00:04:12: Diese Liste lässt sich noch vielfach fortsetzen.
00:04:16: Es gibt Halo Effekte, d. h., nur ein kleines Produkt, ein kleiner Produktteil wird als nachhaltig beworben, aber das strahlt auf das gesamte Produkt über.
00:04:26: Es gibt freiwillige Siegel die unternehmen sich entwickeln, die aber keinerlei externer Kontrolle unterliegen und die Standards deren Einhaltung auch nicht eingehalten
00:04:37: werden.".
00:04:37: Ja es ist einfach auch sehr vielfältig wie der Verbraucher getäuscht wird!
00:04:44: Es gibt die Klimaneutralität versprechen dass man ja mit dem Kauf des Produktes entweder sich klimaneutral verhält.
00:04:56: In der Anfangsphase, als wir vor drei Jahren angefangen haben hier zu kontrollieren gab es sogar Produkte die versprochen haben das Herr Klimapositiv.
00:05:05: zum Beispiel gab's eine Reisebüro.
00:05:09: die haben klimaneutrales Fliegen versprochen sogar noch mehr Klimap positives fliegen.
00:05:15: sie würden die negativen Auswirkungen überkompensieren.
00:05:20: Es gab es auch beim Bier, es gab bei einem Discounter ein Dosenbier die auch gesagt haben wir überkcompensieren.
00:05:27: das heißt je mehr man fliegt, je mehr Man Dosenbeer trinkt desto besser geht's dem Klima.
00:05:34: da sieht man wie absurde sein kann und der Trick ist eigentlich ja ich Kauf mir eine Emissionsgutschrift.
00:05:43: Irgendwie auf dem grauen Markt, da kriegt man ne Tonne CO².
00:05:46: also noch mal zur Einordnung.
00:05:50: Wir liegen so bei zehn Tonnen CO² im ganzen Jahr als Bürger Im Durchschnitt in Deutschland und man kann sich für ein bis zwei Euro Eine Tonne co² Gutschift kaufen Und das ist eine ganze Menge.
00:06:05: und man wäre dann mit zehn oder zwanzig Euro Zahlung wäre man klimaneutral.
00:06:10: Und solche, ich würde das mal sagen überwiegend falschen Emissionsgutschriften werden dann genutzt und winzige Bruchteile reichen dann aus um irgendein Produkt oder eine Dienstleistung vermeintlich klimaneutral zu machen.
00:06:28: Und gegen solche Formen von Verbrauchertäuschungen gehen wir vor wenn eben dies von vornherein falsch ist oder wenn man auch dann versteckt, wie die Ausgleiche aussehen sollen.
00:06:43: Ich will mal Beispiele nennen.
00:06:44: zum Beispiel hat Adidas versprochen bis zum Jahr Zwei-Tausendfünfzig klimaneutral zu sein.
00:06:52: es gab überhaupt keine Aufklärung wie das erreicht werden soll.
00:06:57: Es gab auch keine Aufklarung welcher Anteil durch Verbesserungen der Produkte oder durch Kompensation erfolgen soll und Das Gericht hat uns recht gegeben und Adidas musste diese Form der Werbung beenden.
00:07:13: Und Agnes, vielleicht kannst du ein bisschen was im letzten Jahr zu einem amerikanischen Unternehmen erzählen.
00:07:20: Das war für mich ganz großes Kino, als wir da in Frankfurt im großen Spurg-Richtsaal
00:07:25: saßen.".
00:07:25: Tatsächlich Jürgen die Details zu der Verhandlung kannst du vielleicht gerne noch anschließen aber Apple hatte drei seiner Smartwatches als CO² neutral beworben und zwar begründeten die das damit dass sie Emissionsgutschriften aus Waldschutzprojekten im Südamerika gekauft haben.
00:07:46: Wir haben dann lange gebohrt, die haben sich zurückgehalten.
00:07:49: Also erst mal Waldschutzprojekte erreichen nicht die CO²-Einsparung.
00:07:54: das ist nachgewiesen in der Wissenschaft.
00:07:56: hinzukommt dass Apple Gutschriften aus Eukalyptus Monokulturen gekauft hat.
00:08:02: Wir konnten nachweisen, dass diese Pachtverträge nur vier Jahre lang gedauert haben.
00:08:06: Das heißt was passiert mit den Monokulturen über nach den vier Jahren?
00:08:11: hinzu kommt?
00:08:12: Dass diese Kulturen massiv mit Pestiziden gelastet wurden.
00:08:16: Also das Verfahren haben wir sang und klang gewonnen, was uns auch glaube ich alle sehr stolz gemacht
00:08:23: hat.".
00:08:23: Die Verhandlung in Frankfurt war für mich auch eine der spektakuläreren Verhandlungen weil Apple hat ein großes Kino veranstaltet.
00:08:33: da wurden Südamerikaner eingeflogen also Bäuerinnen, die vermeintlich dort in den Eukalyptus-Plantagen arbeiten.
00:08:44: Da wurden Wissenschaftler eingeflogen und alle möglichen Lobbyisten.
00:08:48: Es war beeindruckend wie viele Menschen auf der beklagten Seite saßen aber das Gericht hat sie nicht als relevant angesehen.
00:09:02: Die kam nämlich gar nicht zu Wort und das Gerich hat gleich gesagt gehabt wir brauchen hier gar nicht einsteigen in die Situation, die uns Apple versucht darzustellen.
00:09:14: Denn das was Apple hier verspricht ist einfach von vorne bis hinten nicht nachvollziehbar und täuscht den Verbraucher.
00:09:23: Das war eine sehr spannende Verhandlung vor allen Dingen weil auch Apple mit gleich mehreren Anwälten und Unternehmensvertretern irgendwie versuchten, die Niederlage abzuwenden.
00:09:37: Es war für sie natürlich auch ein weltweiter Testfall ob Sie mit der Apple Watch als nachhaltiges Produkt reussieren können und es ist ihnen nicht gelungen.
00:09:49: wir haben dieses Gerichtsverfahren dann tatsächlich so klar gewonnen dass das Unternehmen auch darauf verzichtet hat im Berufung zu gehen.
00:10:13: Apple hat gesagt Klimaneutrale Watch, Apple Watch.
00:10:18: Weil wir – ich glaube eine Aussage war auch weil wir weniger als fünfzig Prozent der Bauteile fliegen.
00:10:26: Fand ich auch schon mal ganz interessant.
00:10:28: und wir kompensieren den Rest durch Waldschutzprojekte.
00:10:32: Und da hat man dann irgendwie vor seinem geistigen Auge in tropischen Regenwald vielleicht ein paar Tukaanädie durchfliegen oder ein paar Paradiesvögel.
00:10:41: Wir brauchten relativ lange, um überhaupt rauszufinden was für Waldschutzprojekte das waren.
00:10:47: Und ich will es mal übertragen, was du jetzt mit Erkoloptusplantage beschrieben hast.
00:10:54: Nachdem wir über diese Projekte dann wirklich im Detail herausgefunden haben, waren das kurzlebige Erkoloptersplantagen wo früher eben Naturwald wirklich betrieben wurde und mit Pestiziden behandelt.
00:11:10: Diese kurzlebigen Eukalyptusplantagen werden eben in Südamerika für Feuerholz genutzt.
00:11:16: Das heißt, ich verbrenne das danach gleich als Feuerholzer so.
00:11:19: Da habe ich keinen CO-Zweideffekt, kein Einsparungseffekt und das ist für mich ein Beispiel wie eben nicht nur kein Vorteil mit dem Kompensationsprojekt verbunden ist sondern nach gerade auch noch praktisch der Wald verfeuert wird und weitere Belastungen mit auftreten.
00:11:42: Ich will hier nochmal aus dem Bereich der fossilen Energien Beispiele nennen, zum einen ein für uns auch am Anfang wichtiges Verfahren.
00:11:52: da hatten Unternehmen aus Frankreich klimaneutrales Heizöl angeboten.
00:11:59: das war total energies und da konnte man eben mit einem Cent aufpreis sein Heizöl klimaneutral stellen.
00:12:09: Und damit wird auch geworben, man braucht so durchschnittlich als Haushalt viertausend Liter Heizöle also für vierzig Euro im Jahr.
00:12:19: eine klimaneutrale Ölheizung.
00:12:22: Da kann keine Wärmepumpe mithalten ist natürlich Betrug Und so ist dann auch das Urteil des Landgerichtes in Düsseldorf ausgefallen.
00:12:32: Wir haben recht bekommen, ein anderes Beispiel für mich dass Shell und auch BP bei Motoröl beziehungsweise Benzin angeboten haben Für einen zwei Cent pro Liter könne man klimaneutral den Verbrennungsmotor betreiben.
00:12:49: Auch dieses haben wir eben für die ganze Branche gestoppt.
00:12:52: Ich halte es gerade unter den aktuellen Entwicklungen für ganz wichtig, dass eben nicht fossile Energien als klimaneutral als umweltfreundlich dargestellt werden.
00:13:05: Jürgen, du hast das Adidas-Verfahren angesprochen.
00:13:08: Gerade auch bei den sogenannten Zukunftsversprechen stellen wir massives Greenwashing fest.
00:13:15: Es werden Behauptungen ausgestellt bis zu zwei Tausend Fünfzig sind wir klimaneutral.
00:13:21: es fehlt aber an jeglicher Umsetzung.
00:13:23: Maßnahmen werden waage formuliert Wir investieren in nachhaltigere Verpackung Wir setzen uns für den Betrieb von Solaranlagen ein, aber die Maßnahmen hören teilweise dann die Beschriebenen bis um im Jahr- und Jahrzehnte schon auf.
00:13:40: Was ist danach?
00:13:41: Die Unternehmen verpassen sich heute ein grünes Image.
00:13:44: Aber wie gesagt, die Maßnahmen finden irgendwann mal in der Zukunft statt.
00:13:48: Das halten wir für massives Greenwashing!
00:13:51: Ja, da kann man gleich anschließen mit TUI, die eben TUI Cruises ihre Kreuzfahrtschiffe eigentlich mit die umweltschädlichste Form des Urlaubmachens eben auch damit beworben haben, dass sie in einigen Jahrzehnten klimaneutral, umweltneutral unterwegs sein wollen.
00:14:11: und dann haben Sie noch dazu gesagt gehabt weil wir dann mit LNG fahren.
00:14:15: LNG ist aber ja auch wiederum fossiles Flüssiggas da haben wir auch keinen Umweltvorteil und natürlich konnten wir das stoppen.
00:14:27: Geschichte, die wirklich beliebt ist.
00:14:30: Man verspricht in der Zukunft irgendetwas.
00:14:32: Wir heben die Schwerkraft auf oder irgendwas anderes und sagt ja, die nächsten zwanzig Jahre müssen wir das ja nicht beweisen.
00:14:40: Wir sind erst dann im Jahr zweitausendfünfundwirtzig oder zweitausendfünfzig verpflichtet dieses Versprechen umzusetzen.
00:14:49: Und ich würde mal sagen für viele Unternehmen klimaneutral unterwegs zu sein im Jahr zweitausend dreißigvierzig fünfzig Und nicht damit zu beginnen, dass es genauso wie eben Schwerkraft aufheben.
00:15:02: Das ist einfach unmöglich das geht nicht!
00:15:04: Ich muss dann wirklich anfangen ich müssen einen Plan haben und der muss seriös sein.
00:15:11: aber heute zu versprechen irgendetwas Tolles zu machen und sich dann ein Wettbewerbsvorteil dadurch verschaffen dass man keine Kosten damit hat führt doch nur dazu dass alle Marktteilnehmer das gleiche versprechen abgeben und wir dann im Grunde genommen nur noch Umweltversprechen haben, aber kein Handeln.
00:15:32: Und hier setzen wir als Deutsche Umwelthilfe was
00:15:35: dagegen.".
00:15:37: Ich bin Jonathan und arbeite bei der Deutschen Umweltheilfe.
00:15:40: Wie ihr in dieser Folge hört arbeiten wir zu vielen spannenden und relevanten Themen um Umwelt- und Verbraucherschutz durchzusetzen.
00:15:46: Aber dazu brauchen wir auch euch!
00:15:47: So könnt ihr die deutsche Umwelthailfe jetzt gleich unterstützen.
00:15:51: Bitte leitet diesen Podcast weiter Spendet oder werdet Fördermitglied.
00:15:55: Vielen Dank.
00:15:57: Was sind die Folgen dieses massiven Greenwashings?
00:16:00: Unter den Versprechen leiden alle.
00:16:02: Die Umwelt und das Klima, getäuschte verunsicherte Verbraucher – und selbstverständlich auch Unternehmen – die ehrliche Bemühungen in die Verbesserung ihrer Produkte investieren.
00:16:13: Woran liegt das alles?
00:16:15: Es findet nahezu keine Kontrolle seitens der Behörden statt!
00:16:19: In Europa erleben wir derzeit eine massive D-Regulierungswelle, bei der Umweltstandards für die Jahrzehnte lang gekämpft wurden.
00:16:28: Plötzlich zurückgebaut werden.
00:16:30: Dem ist auch die sogenannte Green Claims Directive zum Opfer gefallen, die nochmal eine deutliche Verschärfung von Werbung mit Umweltschutzbegriffen mit sich gebracht hätte.
00:16:42: Das führt dazu, dass natürlich Unternehmen da auch ein Stück weit Rechtsunsicherheit haben wie sie Claims bewerben dürfen.
00:16:50: Und das ist absolut fatal wenn eben die Regeln nicht klar sind und die Regeln die bestehen nicht kontrolliert werden.
00:16:59: hier wird die deutsche Umwelthilfe aktiv.
00:17:02: in anderen Ländern der EU oder auch weltweit, kann ein Unternehmen nicht einfach irgendwas versprechen.
00:17:09: Da gehen die Behörden dagegen vor und wir haben ja in Deutschland auch so mal im Verkehrsrecht wenn jemand bei Rot über die Ampel fährt der verliert für einen Monat seinen Führerschein.
00:17:20: es gibt also schon bestimmte Bereiche wo kontrolliert wird.
00:17:22: aber wenn der Verbraucher wirklich getäuscht wird er soll Produkte kaufen uns wird irgendwas versprochen und nicht eingehalten.
00:17:31: Behörde greifen nicht durch, wenn es um umweltbezogene Verbrauchervorschriften geht.
00:17:37: Und hier haben wir eben dann gesagt ja dann kontrollieren wir so lange bis die Behörden ihre Hausaufgaben machen und versuchen mal dieses Screenwashing und Verbrauchertäuschung zu stoppen.
00:17:52: Und das gelingt uns!
00:17:54: Wir haben in der Zwischenzeit Viele dutzende Gerichtsverfahren durchgeführt, hunderte Rechtsverfahren überhaupt gestartet.
00:18:03: Die meisten Verfahren können wir mittlerweile außergerichtlich regeln weil die Unternehmen, die wir dann konfrontieren mit ihren Falschaussagen in der überwiegenden Zahl der Fälle das dann auch eingestehen und uns gegenüber eine straff bewährte Unterlassungserklärung abgeben Nicht mehr.
00:18:26: Wie kommen wir zu diesen Fällen?
00:18:28: Ganz wichtig, Hinweise von ihnen – von den Verbrauchern selber die irgendwo über ein Werbeversprechen stolpern und vielleicht daran Zweifel haben!
00:18:40: Bitte uns melden wenn Ihnen solche Fälle bekannt werden.
00:18:44: Wir machen aber auch selber Stichproben.
00:18:46: Wir gehen in den Handel.
00:18:47: Wir verfolgen dann auch solche Hinweise.
00:18:51: Da kann ich vielleicht das Beispiel DM nennen, ein Drogeriemarkt der eigentlich sehr sympathisch ist und dem will ich mich mal ausauten.
00:19:01: der das besonders weit getrieben hat, nicht nur mit klimaneutralen Produkten sondern dann auch mal so weit ging umweltneutrale Produkte zu bewerben und das war jetzt vielleicht nicht so ganz seriös.
00:19:14: Und Agnes was haben wir denn da alles Schönes erlebt?
00:19:18: Ja wir haben Ende einundzwanzig Anfang zwei tausend zweinzwanziger eine enorme Zunahme von Werbung mit sogenannten klimaneutralen Produkten festgestellt.
00:19:27: Wir haben Stichproben erheoben, sind in die Märkte gegangen und haben Werbung gescreent.
00:19:33: Und haben dabei auch bei der Drogerie-Markette DM massive Screenwashing festgestellt.
00:19:39: Das Unternehmen hatte mehrere Produkte wie Flüssigseifen, Sonnencremes und Spülmittel als klimaneutral oder gar umweltneutral beworben.
00:19:49: Die Klimaneutralität hat das Unternehmen begründet mit dem Kauf von Emissionsgutschriften, auf die Jürgen vorhin schon eingegangen ist.
00:19:57: Aus einem Waldschutzprojekt im Amazonas-Gebiet in Peru, das sogenannte Tambopata Projekt.
00:20:04: Jürg, du warst da auch intensiv in den Recherchen eingebunden?
00:20:09: Wir haben festgestellt dass diese Zertifikate massiv überschätzt wurden.
00:20:14: Es wurden Landnutzungsrechte an Bauern übergeben, die sie eigentlich schon lange haben.
00:20:18: also das war von vorne bis hinten eine Lüge und das konnten wir auch nachweisen so dass wir hier entsprechend an dem herangetreten sind.
00:20:28: Das Unternehmen hat sich natürlich geweigert eine straff bewährte Unterlassungserklärung abzugeben mit dem das Unternehmen in Zukunft sich verpflichtet, diese Werbung zu unterlassen.
00:20:40: Das hat es leider nicht getan so dass wir uns entschieden haben hier natürlich am Landgericht Karlsruhe unseren Unterlassungsanspruch auch gerichtlich durchzusetzen
00:20:49: und wir haben es geschafft.
00:20:49: in der Gerichtsverhandlung hat dann um einen Urteil zu vermeiden erst mal DM gesagt auf klimaneutral verzichten wir allerdings was für mich jetzt noch sehr viel gravierender war.
00:21:03: Die Aussage, wir sind jetzt umweltneutral also nicht nur klimaneutral sondern auch gegenüber Wasser und gegenüber der Pflanzen- und Tierwelt haben wir keine negativen Auswirkungen.
00:21:14: das wollte man weiter betreiben und hier gab es dann eben halt eine entsprechende Entscheidung.
00:21:19: die ging zu unseren Gunsten aus und diese Werbung konnten wir erfolgen dann stoppen.
00:21:26: Also wir sehen an diesem Beispiel die Möglichkeiten, die es für die Unternehmen gibt.
00:21:31: Sie können um eine Gerichtsentscheidung zu vermeiden vorab erklären oder in der Verhandlung erklären sie erkennen den Anspruch an und versprechen zukünftig das nicht mehr zu machen.
00:21:43: ansonsten müssten sie eine hohe Strafe zahlen oder sie werden eben in dem Gerichtsverfahren verurteilt.
00:21:54: dass dann durch Grundsatzurteile, die wir versuchen in verschiedenen Fragestellungen herbeizuführen.
00:22:00: Dass wir eine Orientierung schaffen für die jeweilige Branche oder für ähnliche Fälle und ich glaube die meisten Klageverfahren, die in den letzten Jahren doch geführt wurden stammen von uns und wir haben damit ein ganzes Rechtsgebiet nämlich den umweltbezogenen Verbraucherschutz ein bisschen geordnet mit einem ganz, ganz lauten Begleit schweigen der öffentlichen Hand.
00:22:40: Behörden wagen praktisch nicht selber zu kontrollieren, selber Bußgelder auszustellen
00:22:48: bzw.,
00:22:49: wenn dann Unternehmen sich dagegen wehrt vor Gericht zu gehen.
00:22:52: Das machen in Deutschland die klageberechtigten Verbraucherverbände und es zeigt halt auch einmal mehr auf wie machtvoll Industrie- und Handel in Deutschland sind und wie macht los der Staat ist, weil er sich einfach von vielen Wirtschaftsunternehmen und Konzernen im Grunde genommen verbieten lässt die Verbraucher zu schützen.
00:23:19: Und deswegen wir sind sehr stark angewiesen auf sie, auf unsere Hörer und Hörerinnen und was können die tun?
00:23:28: Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass natürlich die Verantwortung nicht auf den Verbraucher zurück verwiesen werden muss.
00:23:35: Verbrauchern haben in der Regel nicht die Möglichkeiten bei einem Wocheneinkauf ein zwei Euro fünfzig Produkt so zu screenen um eine Umweltaussage auf der Verpackung zu verifizieren.
00:23:46: deswegen fordern wir auch das Unternehmen hier ehrlich sind bei der Bewerbung von Produkten mit Umweltvorteilen.
00:23:55: nichtsdestotrotz Irgendwo sagt es, wenn Produkte auf dem Markt sind die in irgendeiner Form verdächtig sind.
00:24:03: Wir haben ein Greenwashing-Meldeformular.
00:24:05: wir haben auch einen Meldeformula für sonstige Rechtsverstöße.
00:24:09: melden sie uns dass wir kontrollieren das auch im einzelnen.
00:24:13: letztendlich ist es für Verbraucher fast nicht möglich den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu überprüfen.
00:24:22: Der Gesetzgeber hat nun doch einige Vorkehrungen getroffen, es wird im September dieses Jahres ein Gesetz in Kraft treten wo Unternehmen eben verpflichtet sind stärker Umweltvorteile nachzuweisen.
00:24:35: Aber das ist richtig gesagt, die Verantwortung darf nicht abgeschoben werden an den Verbraucher.
00:24:40: Ich muss im Geschäft mich eigentlich verlassen können dass eine Angabe wiegt jetzt die Schokolade hundert Gramm oder achtzig Gramm, dass das wenigstens stimmt auch wenn man heimlich reduziert um Preisanstiege zu verstecken.
00:24:53: da wird übrigens im Zweifelsfall sehr streng kontrolliert wenn irgendwelche Zahlen nicht mehr stimmen.
00:25:01: Wir meinen, dass die Verantwortung sehr stark bei der Politik liegt.
00:25:06: Dass die Politik am Zug ist und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen muss.
00:25:12: aber in dem Moment, in dem wir eben Hinweise bekommen vor allen Dingen auf neue Arten von Verbrauchertäuschung Neue Formen von Greenwashing Und ich kann nur sagen Die Agenturen und die Unternehmen sind unglaublich kreativ den Verbraucher zu täuschen.
00:25:30: Wir gehen dem nach und staunen selber immer wieder, was hier möglich ist!
00:25:44: Die Lösungsansätze sind relativ klar.
00:25:47: wir brauchen einen stärkeren Schutz der Verbrauchern durch klare rechtliche Vorgaben.
00:25:57: erfreulicherweise hat die EU eine ganze Reihe von Standards festgelegt, die in Deutschland umgesetzt werden müssen.
00:26:05: Agnes hat gerade darauf verwiesen dass wir allerdings mit der Green Claim Directive eine Aufweichung im Moment erleben.
00:26:13: Ich hoffe trotzdem das Europa hier treiber bleibt, weil ich sehr skeptisch bin.
00:26:19: Dass in Deutschland sich Bundes- und Landesregierungen gegen die Wirtschaftsmacht durchsetzen.
00:26:26: Hier würde ich alleine davon ausgehen dass wir weitere Abschwächungen hätten.
00:26:31: deswegen Europa hilft uns nach wie vor gewisse Mindeststandards durchzusetzen Und unsere Forderung an die Unternehmen ist eben ehrlich transparenter und ambitionierter Klima und Umweltschutz zu betreiben.
00:26:48: Und das ist auch vielleicht ein bisschen die Grunderkenntnis, die wir eben in den letzten Jahren gesammelt haben.
00:26:56: Ein ehrlicher Klima- und Umweltschutz ist im Angesichts der Klimakrise dringend geboten.
00:27:02: strengere Regeln und mehr Transparenz tragen dazu bei dass wir als Verbraucher überhaupt bewusst entscheiden können uns für die richtigen Produkte entscheiden.
00:27:12: können eben diese Marketingtricks mit Nachhaltigkeit, mit Klimaneutralität als solche entlarvt werden?
00:27:22: Ja Greenwashing geht uns alle an.
00:27:24: Wir werden genau kontrollieren wie die ab September diesen Jahres in Kraft treten den neuen Regelungen für die Werbung mit Umweltbegriffen umgesetzt werden.
00:27:33: wir machen weiter Druck und ziehen Großkonzerne zur Verantwortung.
00:27:37: Die Hörerinnen und Hörern sollen wachsam sein, auf staatliche Siegel achten.
00:27:42: Umweltausgagen hinterfragen und uns verdächtige Produkte
00:27:46: melden.".
00:27:47: Ja!
00:27:48: Ob die gesetzlichen Veränderungen dann wirklich wirksam sind?
00:27:53: Ob neue Veränderung, also Verschärfungen der Gesetze kommen – das hängt jetzt auch von den nächsten Wochen- und Monaten ab.
00:28:01: Das hängt auch davon ab wie es ihnen und uns gelingt hier dafür zu trommeln, dass wir einen ehrlicheren Klimaschutz im Handel in der Industrie bekommen und ob es gelingt Behörden dazu zu bringen auch die Durchsetzung von Recht und Gesetz zu initiieren.
00:28:24: Und solange werden wie einfach versuchen über Gerichte dranzubleiben und hier die Interessen der Verbraucherinnen und Verbrauchern zu vertreten.
00:28:34: das Ist unsere Quintessenz in dieser Arbeit und ich würde mal sagen, das ist eine ganz besondere Erfolgsgeschichte.
00:28:43: Weil wir eigentlich bis jetzt glaube ich noch keine einzige Klage verloren haben sondern dort wo wir dann wirklich vor Gericht gezogen sind recht bekommen haben.
00:28:55: Ausblick auf die nächste Folge Wir sprechen über die Ergebnisse unseres Hitzechecks Und wo Menschen besonders von Hitze betroffen sind.
00:29:04: Barbara Metz wird uns erzählen, was Städte und Gemeinden tun müssen um auch in Zukunft lebenswert bewohnbar und einfach angenehm bleiben können.
00:29:19: Einen schönen Tag noch!